Ich bin in Woche 20 dieses leicht bescheuerten Projektes, und tatsächlich nur 4 Geschichten im Verzug. Insofern bin ich erfolgreicher gewesen, als ich mir jemals zugetraut hätte. Aber wie das mit Langzeitprojekten so ist – im Lauf der Zeit bemerkt man die Unzulänglichkeiten im Plan, oder Dinge entwickeln sich in Richtungen, die man so nicht vorhergesehen hat.
Zeit
Es ist nicht so, dass ich nicht Zeit zum Schreiben hätte. Aber die Sorte Zeit mit der das am Besten geht, die ist Mangelware. Schreiben ist eine sehr assoziale Art, meine Zeit zu verbringen, denn ich brauche dazu absolute, ungestörte Ruhe. Und die habe ich nur sehr begrenzt, ich lebe ja nicht allein. Und wenn ich alleine bin, dann ist die Muse nicht immer willig. Zum Beispiel ist nach acht Stunden Broterwerb das Hirn meistens eher tot, daran ändert auch das Wissen genau JETZT eine Stunde Einsamkeit zum Schreiben zu haben, nichts. Ich könnte natürlich sehr viel früher aufstehen, und in den Morgenstunden, wenn der Rest Welt noch schläft, meine Zeilen zu Papier bringen. Aber ganz ehrlich? Nee. Da stehen Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis zu einander. Und dann ist da noch der Fakt, dass ich tatsächlich noch andere Hobbies habe, gelegentlich meine Freunde sehen will und gewisse andere Verpflichtungen mich ebenfalls beanpruchen. Das alles grundsätzlich für das Schreiben zurückzustellen, wäre zwar machbar, aber ich dadurch sicher kein glücklicherer Mensch.
Qualität
Erfreulicherweise habe ich durch dieses Projekt einen ganzen Kosmos in mir entdeckt. Was vor Jahren mit einer einzelnen Steampunk-Piratin anfing, hat sich in futuristische Raumschiffe und Raumstationen entwickelt, mit Planeten und Antagonisten und ich hab keine Ahnung was sich da noch so alles versteckt. Innerhalb einer Woche diese Welten zu entdecken, mit den oben genannten Zeitlimitationen zu Papier zu bringen und am Sonntag zu veröffentlichen, ist durchaus möglich. Aber ich bin mit der Qualität nicht zufrieden. Man schneidet sich als Autor ja doch nur ins eigene Fleisch, wenn man etwas veröffentlicht, was de facto nur eine grobe Skizze ist. Ich weiß, ich kann das besser. Vielschichtiger. Und vor allem: Spannender.
Prozess
Schreiben ist für mich das Übersetzen von Bildern in meinem Kopf in Worte. Meistens beschreiben diese Worte nur sehr unzulänglich das, was ich “sehe”. Und erschwerend kommt noch hinzu, dass an manchen Tagen die Muse nur Englisch mit mir spricht und an anderen Tagen ein buntes Kauderwelsch aus Deutsch und Englisch. Das heißt, zu dem Bild-Wort-Übersetzungsprozess kommt auch noch ein tatsächlicher Sprach-Übersetzungsprozess, und ich fürchte, dass oft genug meine Grammatik darunter leidet.
Nächstes Problem: Eine Geschichte ist, sollte sie denn lesbar sein, in irgendeiner Form linear aufgebaut. Nur leider “erscheinen” mir Geschichten nicht genau so linear, so dass ich sie “einfach” runterschreiben könnte. Meistens habe ich irgendeine Szene vor mir, ohne Anfang, ohne Schluss, ohne Handlung. Darum herum kann ich mir dann noch was stricken. Das funktioniert mal gut, mal weniger gut. Einfacher ist es, erstmal alle Schnipsel zu sammeln, und dann was Lineares draus zu basteln. Dumm wenn man nur eine Woche Zeit dafür hat.
Und dann ist da noch das tatsächliche Schreiben selbst. Irgendwie geht das Bild-Wort-Übersetzen dreimal so schnell, wenn ich mit einem Stift auf totem Baum herumkritzel, als wenn ich an einem Bildschirm mit Tastatur sitze. Also erst vom Kopf auf das Papier, und dann vom Papier in den Computer. Vorteil: man editiert gleich mit. Nachteil: Zeit. Problematik dabei: siehe oben.
Social Media Zirkus
Als ich vor 10 Jahren mit dem Dinge ins Internet schreiben begonnen habe, war die Konkurrenz bei weitem nicht so groß. Heute ist Leser finden und von denen auch noch eine Reaktion zu bekommen, ein Vollzeitjob ganz für sich allein. Meine gekränkte Eitelkeit ist gerade sehr beleidigt, nach wochenlangem Freizeitstress trotzdem nur 6 Kommentare auf der Haben-Seite verbuchen zu können. Noch nichtmal “Oh mein Gott, was für gequirlte Kacke schreibst du da eigentlich”-Hater-Kommentare konnte ich provozieren. Irgendwann verließen mich dann sogar die Spambots. Nichts gibt einem ein größerer Loser-Gefühl, als nicht mal mehr Spam für unechte Louis Vuiton Taschen zu bekommen.
Flinte ins Korn werfen?
Natürlich nicht. Deadlines haben nicht nur negative Seiten, sondern auch die formidable Eigenschaft, Druck zu machen, sich hinzusetzen und tatsächlich Worte zu schreiben. Neues Ziel: mindestens alle zwei Wochen eine neue Geschichte veröffentlichen. Und die 52 Geschichten in einem Jahr? Ich habe beschlossen, solange weiter Emerald One Geschichten zu schreiben, wie mir welche einfallen. Das können durchaus auch mehr als 52 sein. Aber die 52 werden wahrscheinlich nicht alle bis Dezember das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Der Zug tuckert hier also weiter, aber nicht mehr ganz so schnell wie vorher. Und in der Zwischenzeit würde ich mich über Streicheleinheiten von meinen drei Lesern freuen… ich brauch’s grad ein bisschen.